„O Muriel“ … who the fuck is Muriel?

Die magische Welt: hier der Steinkreis von Stonehenge

Heute geht es um die Geschichte der zweiten großen Bevölkerungsgruppe in meiner fiktiven Welt: die Zauber:innen.

Euch ist bestimmt aufgefallen, dass es in meinem Buch eine Menge englischer Namen, Anreden und Titel gibt. Gewöhnliche Magier:innen werden mit „Miss“ oder „Mister“ angeredet, der Adel mit „Madame“ und „Sir“ oder (bei den hochrangigen Adeligen) mit „Lady“ und „Lord“. Auch sind viele Zauber:innennamen englischen oder keltischen Ursprungs (wie z.B. „Tristan Moore“ oder auch „Gwenhwyfar Whitecrow“ -> und ja, diese werden „englisch“ ausgesprochen).

Dies verwundert auf den ersten Blick, sprechen die Einwohner Finistères doch eigentlich so etwas wie Deutsch (bzw. „Grünländisch“, wie die Sprache in ihrer Welt genannt wird).

Woher kommen diese Titel? Die Antwort darauf finden wir in der Geschichte von Muriel.

Die Geschichte der Zauber:innen — die Murielsage

In Finistère gilt Muriel (oder auch „Muirgheal“ = „helles/strahlendes Meer“) als die mächtigste Zauberin, die je gelebt hat. Sie ist die Begründerin der Transformationsmagie (die Lehre der Gestaltwandlung, der Illusionen, aber auch der Umwandlung von belebter oder unbelebter Materie in eine andere Form, gilt als höchste Zauberkunst) und stammt von einer kleinen Insel namens „Ailand“ ab, die fern von Finistère liegt. Der Sage nach war Ailand ein Zauberland, ähnlich dem heutigen Finistère in dem Zauber:innen wohnten.

Eines Tages gab es einen gewaltigen Sturm, und die kleine Insel wurde überschwemmt. Muriel und ihre Landsleute waren gezwungen, von Ailand zu fliehen. Da alle Schiffe durch den Sturm zerschmettert im Hafen lagen, verwandelte Muriel kurzerhand einen riesigen Felsbrocken in ein magisches Schiff, und rettete so ihre Leute: Die Geflüchteten setzten nach Grünland über und lebten seitdem heimlich unter den Menschen, die bis dahin keine Magie kannten. Ailand, die sagenumwobene Insel, versank für immer im Ozean.

Die Geschichte er Zauber:innen: Zauberin Muriels Übersetzung von der nun längst versunkenden Insel "Ailand" nach Finistère: der Beginn einer neuen magischen Ära
Muriels Übersetzung nach Finistère: der Beginn einer neuen magischen Ära

Der Sage nach sind Muriel und die anderen Geflüchteten die Ahnen der heutigen Zauber:innen. Ihre mutmaßliche Sprache war „Ailish“, ein Dialekt der an das Keltische erinnert. Diese Sprache wird nicht mehr gesprochen (oder wurde es nie, denn mit Sicherheit weiß keine, ob es Ailand wirklich gegeben hat), aber um an Muriel zu erinnern, wählen die Zauberfamilien für ihre Kinder gern diese fremdartig wirkenden ailishen Namen.

Diese Geschichte um Ailand — ob nun wahr, oder ähnlich erdacht wie unser „Avalon“ (denn mehr als mündlich überlieferte Beweise gibt es dafür nicht) — hat den Zauber:innen während der Inquisition geholfen, ihre eigene Identität zu bewahren. Auch stärkt es die Position der Zauber:innen gegenüber den Elb:innen, da sie so nicht einfach als „magisch bewanderte Menschen“, sondern, ähnlich wie die Elb:innen, als eigenständige Gruppe gelten. Natürlich führt diese Identitätsstiftung auch zu Negativem, wie zB. der Ausgrenzung der Menschen als „minderwertig“.

Wegen Muriel gelten die Zauber:innen im Vergleich zu Elb:innen bis heute als begabter, was Transformationsmagie angeht, was laut Kaèl allerdings nur ein Vorurteil ist (und er muss es ja wissen, immerhin ist er der erste elbische Transformationsmagier, der auf diesem Gebiet zum Erzmagier aufgestiegen ist ^^).

O Muriel

Noch heute, viele hundert Jahre nach ihrer Überfahrt, ist der Ausdruck „O Muriel“ in der Zauberwelt ähnlich geläufig, wie bei uns „O Gott“. Die Elb:innen wiederum, die stolz auf Fèalyra Ryunòrs Triumph über die Menschen sind, sagen eher: „Bei allen Drachen“.

Der Murielfels

Der Murielfels steht an der Stelle, an der Muriel und ihre Leute angeblich mit dem Schiff gelandet sind. Das Schiff wurde nicht mehr benötigt, und Muriel verwandelte es wieder in das, was es vorher gewesen war: einen Felsen.

Zitat aus „Der Elbische Patient“:

Gegen ihren Willen fing Klara an zu lächeln. »Das liegt ja fast beim Murielfelsen – und direkt am Meer!«
Lucie strahlte sie an. »Die Gegend dort ist wirklich bezaubernd! Früher haben wir da immer die Sommerferien verbracht. Ich bin sogar mal auf den Murielfels geklettert!«
»Lucie!«, raunte Klara. »Das ist ein Heiligtum.«
»Ach bitte, was soll an so einem alten Stein schon besonders sein? Du brauchst echt eine blühende Phantasie, um da das Schiff eurer geliebtenMuriel drin zu erkennen!«

Fun fact

Die Idee eines „Murielfelsens“ kam mir übrigens im Urlaub. In der Bretagne, am schönsten Ort der Welt, steht ein Fels, der die Form eines versteinerten Schiffs hat und es gibt auch eine ähnliche Sage …

Die Geschichte er Zauber:innen: Die Autorin auf dem "Murielfels"
Die Autorin auf dem „Murielfels“ (der Fels steht übrigens in der Realität im „echten“ Finistère, also im Westen der Bretagne ^^) Der Fels hat grob die Form eines Schiffes und daher kommt die Sage, dass ein irischer Heiliger damit den Ozean überquert hat.

Konsequenzen für das heutige Finistère

  • Nach dem gewonnenen Krieg hat ein Großteil der Zauberfamilien ailishe Namen angenommen, um ihre gemeinsame Vergangenheit mit den Menschen hinter sich zu lassen (ähnlich wie viele Juden nach ihrer Flucht in die USA ihre Namen „anglifiziert“ haben).
  • Die verschiedenen Regionen Finistères haben teils elbische (Fukuòka), teils ailishe Namen (Whisperwoods), je nachdem, ob dort eine Zauberfamilie oder Elb:innen herrschen.
  • Als vereinheitlichtes Adelssystem werden ailishe Titel vergeben, auch die Hauptstadt des Landes trägt einen Zaubernamen (Wyvern). Der Name „Finistère“ ist eine Mischung aus Elbisch und Ailish.
  • Amtssprache Finistères ist jedoch nur Grünländisch und Elbisch wird als ergänzende Schriftsprache gelehrt, aber — ähnlich wie unser Latein — nicht gesprochen. Es gibt weder Ailishe Aufzeichnungen noch Personen, die diese Sprache sprechen.
  • Die Vornamen von Elb:innen/Zauber:innen (und auch manche Menschenvornamen) haben sich mit der Zeit vermischt: es gibt Elben wie „Peredur Taìfu“, dessen Vorname ein Zauberername ist, sein Familienname aber elbisch; und auch Klaras Vorname ist ein Menschenname, was dazu passt, dass sie aus dem Grenzgebiet kommt, wo generell Vornamen stärker gemischt werden.

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