Was hat mich inspiriert? — Über das Schreiben

Ein großes, buntes Bücherregal

Wie kam ich eigentlich auf die Geschichte? Was hat mich inspiriert?

Ende vorletzten Jahres habe ich mich dazu motiviert, die Phantasien aufzuschreiben, die mir seit längerem im Kopf herumspuken.

Herausgekommen ist eine High Fantasy Liebesgeschichte über zwei Feind:innen, die sich ineinander verlieben (das war der „kitsch“-Part, aber ich denke/hoffe es liest sich weniger kitschig, als zu befürchten sein könnte).

Es steckt aber einiges mehr drin als Romantik, denn zu einem gewissen Teil nutze ich den Fantasy-Aspekt als Stilmittel, um mich mit gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen.

Das funktioniert auf verschiedene Art und Weise:

  • Einmal bringe ich den Lesenden die Missstände stärker ins Bewusstsein, indem ich die Charaktere in ungünstige Situationen stecke, sie die Probleme durchleiden lasse. Und Missstände gibt es in meiner Welt viele: Ich schreibe über Rassismus (in dem Fall: Vorurteile von Magier:innen gegenüber Menschen und vice versa), Ableismus (die Protagonistin ist behindert und muss während des gesamten Buches mit schrägen Blicken und Schlimmerem umgehen — denn Leute schließen ja von Krankheit/Behinderung auch gern mal auf die Intelligenz oder Psyche einer Person) und Klassismus (wir haben eine arrogante Adelsschicht die z.T. die Probleme der weniger Privilegierten nicht begreift).
  • Andererseits (und das ist der Teil, der mir beim Schreiben am meisten Freude bereitet hat!) schaffe ich auch kleine Utopien — z.B. ist meine Gesellschaft weitaus weniger patriarchal geprägt, als die Realität, die wir kennen. Auch hat Klara, die Protagonistin, eine Wahlfamilie, die mit ihr durch dick und dünn geht. Ich finde Fantasy anstrengend, die Frauen (bzw nicht-cis Männer) ausblendet, oder nur eine vereinzelte ›starke und schöne‹ Heldin unter zig Männern präsentiert (und sich dann einbildet, das wäre schon ein Fortschritt!). Ich finde auch den alltäglichen Fantasy-Sexismus anstrengend, deshalb habe ich ihn größtenteils weggelassen, in der Hoffnung, dass so durch das Lesen eine Welt ohne Sexismus in den Bereich der Vorstellbarkeit rückt. Natürlich gibt es auch nicht nur heterosexuelle Liebschaften in meinem Buch.

Da mich zu starke schwarz/weiß Konflikte (à la: die im dunklen Osten sind böse und wollen alles vernichten und nur unsere Heldentruppe kann und muss sie aufhalten) laaaaaangweilen, habe ich die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht eindeutig gezogen. Vor allen Dingen die männliche Hauptrolle ist ziemlich … kontrovers. Er ist gleichzeitig Antagonist und Love-interest der Protagonistin, was die Romanze um einiges interessanter macht.

Es gibt Elb:innen, Drachen und Magie in dieser Welt. Und ach ja, in manchen Abschnitten erinnert das Buch an einen klassischen ›Arztroman‹, denn die Hauptfigur ist eine magische Heilerin und sticht gern mal  Eiterblasen auf oder amputiert Füße (und was man noch so im Krieg tun muss :-/ ).

Ein Zaubertrank, passend zum Beruf der Protagonistin (Heilerin)
Die magische Heilerin Klara braut mit großer Leidenschaft Heiltränke jeder Art. Illustration by Charlie O’Shields – courtesy of doodlewash.com

Nebenbei habe ich versucht, ein paar Witze und Fluff hineinzubringen —  ja, ich konnte mich noch nie auf ein Genre festlegen ^^.

Über das Schreiben

Anfangs schrieb ich einfach nur drauflos. Ich hatte, ehrlich gesagt, keine Ahnung von Schreiben, Weltenbau, Perspektiven oder auch nur Grammatik/Rechtschreibung.

Mit der Zeit, der Lektüre von einigen Stilbüchern und vor allem der stetigen Hilfe von lieben Menschen, habe ich dazugelernt. Vor allem das wunderbare Lektorat von Carmilla DeWinter hat mein Buch erheblich verbessert und mir in vielen Punkten die Augen geöffnet — vielen Dank, Carmilla!

Ich bin immer noch mitten im Lernprozess, aber allmählich beginne ich zu begreifen, was »Show don’t tell« sein soll, wie man der gewählten Erzählperspektive treu bleibt und warum man mit Worten wie »sehr« oder »plötzlich« sparsam umgehen sollte.

Z.B. war mir zuvor nicht bewusst, dass die Augen der Person, aus deren Perspektive gerade geschildert wird, nicht „aufleuchten“ sollten — außer, die Person schaut gerade in einen Spiegel und könnte das beobachten 😉

Auch Weltenbau war ein Thema, an dem ich mir lange die Zähne ausgebissen habe. Anfangs  habe ich meinen Figuren Namen gegeben, die mir persönlich gefielen — und endete so mit einem Buch voller Charakter:innen mit (für die meisten Lesenden) unaussprechlichen französischen Namen sowie weiterem Japanisch-Englisch-Deutschen Sprachmix. Ähnlich sah es auch bei meinen Ländernamen aus.

Jetzt gibt es ein vereinheitlichtes System, in dem Menschen germanische, Zauberer keltische und die Elben Namen einer ans Japanische angelehnte Phantasiesprache haben, ähnlich sieht es auch für die Länder und Städtenamen aus (siehe »Die Magische Welt«).

Passend dazu habe ich auch meine Flut an Anglizismen eingedämmt — was zum Henker suchen Anglizismen wie »Superfood« in einer Steampunk Fantasy Welt, in der ausschließlich Deutsch gesprochen wird? (ok ok, es gibt auch Elbisch, aber das ist eine »tote Sprache«, wie bei uns Latein)…

Vielen Dank für Eure Hilfe:

Carmilla, Doro, Karla Byrinth, Iasanara, Fleuret, Gortolk, Lapis, Geko, Marike, Esther, Hanna und vor allem Kater.

PS: Ursprünglich sollte es nicht mehr als eine Dota 2 Fanfiction (Dota 2 = ein Computerspiel) über den Invoker und den Antimage werden, aber dann ist das Buch davon galoppiert und mit Dota hat es irgendwie nichts mehr zu tun. Und ja, man muss Dota nicht kennen, um das Buch zu verstehen!

Über das Schreiben: Zwei Dota2 Charaktere, die mich zur Geschichte inspiriert haben: Kael the Invoker und Magina the Antimage.
Magina the Antimage und Kael the Invoker (zwei Dota Helden, die sich in meinem Kopf als perfektes Paar zusammengefügt haben)

Ich freue mich über Euren Input!

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